Stand: 30. Juni 2000
Projekt: Constraintprogrammierung (1994 -- 2002)
Um Constraint-Löser in einer höheren Sprache schnell und ausreichend effizient zu spezifizieren und implementieren, wurde in der ersten Hälfte der 90er Jahre eine spezielle regelbasierte Sprache, "Constraint Handling Rules" (CHR), entwickelt. CHR kann in eine beliebige herkömmliche Programmiersprache als Bibliothek eingebettet werden. Die derzeit wichtigsten Implementierungen von CHR-Bibliotheken gibt es in Eclipse und Sicstus Prolog, zwei der in der Forschung am meisten benutzten Prolog-Systeme. Im Projekt wird die Constraint-Sprache CHR einerseits weiter untersucht, andererseits zur Implementierung von Anwendungen eingesetzt.
Die Constraint-Sprache CHR erleichtert die Implementierung von Constraint-Lösern erheblich und ermöglicht, dass Programmierer mit wenig Vorkenntnissen Constraint-Programme entwickeln. Wie es bei höheren Programmiersprachen oft der Fall ist, erweist sich die automatische Analyse und Verifikation von in der Constraint-Sprache CHR implementierten Constraint-Lösern als vielversprechend.
Eine essentielle, jedoch bei einer Regelsprache wie CHR nicht offensichtliche Eigenschaft eines Constraint-Lösers ist die Konfluenz. Sie garantiert, dass dasselbe Ergebnis berechnet wird, unabhängig davon, in welcher Reihenfolge die Constraints eintreffen und in welcher Reihenfolge die CHR-Regeln darauf angewandt werden, um sie abzuarbeiten. In diesem Projekt werden Bedingungen zur Konfluenz von CHR-Programmen und deren automatische Überprüfung untersucht. Darüber hinaus werden Verfahren entwickelt, um ein nichtkonfluentes CHR-Programm zu einem konfluenten zu vervollständigen.
Ansprechpartner: Dipl.-Inform. Slim Abdennadher
In diesem Teilprojekt werden Anwendungen der Constraint-Programmierung untersucht. Um die Hypothese zu überprüfen, derzufolge die Constraint-Sprache CHR auch von Programmierern ohne besonderen mathemathematische Kentnisse einsetzbar sei, werden Anwendungen bevorzugt, die den Einsatz von fortgeschrittenen numerischen Verfahren nicht erfordern. Das Hauptziel des Teilprojekts ist es, die Eignung der Constraint-Sprache CHR zur einfachen Programmierung beziehungsweise "rapid prototyping" experimentell zu belegen.
Mit einem Mietspiegel lässt sich eine Vergleichsmiete für eine Mietwohnung errechnen. Der Mietspiegelberechnungsdienst im Internet, IMS, erlaubt es, durch eine Formularseite im World-Wide-Web in wenigen Minuten die ortsübliche Vergleichsmiete einer Wohnung zu berechnen. Er kann auch mit ungenauen oder unvollständigen Angaben korrekt umgehen. Damit lässt sich erstmals ein Mietspiegel auch dazu verwenden, bei der Wohnungsuche das Mietpreisniveau zu bestimmen, ohne sich auf eine bestimmte Wohnung festlegen zu müssen. Die Münchner Presse erwähnte den Prototyp, die Stadtverwaltung München bietet ihn in ihren Web-Seiten an. Dadurch bekam er eine große Aufmerksamkeit in der Münchner Öffentlichkeit.
Die Implementierung besteht aus zwei Komponenten, einem in der Sprache CHR implementierten Constraint-Löser und einer deklarativen Spezifikation des Münchner Mietspiegels. Beide Komponenten sind besonders kurz: der Constraint-Löser ist eine halbe Seite lang, die Mietspiegelregeln selber umfassen zwei Seiten. Der Constraint-Löser spezifiziert die angewandte Intervallarithmetik und die Behandlung von unvollständigen Informationen. Er ist unabhängig von den sogenannten Mietspiegeltabellen und kann auch zur Mietspiegelberechnung für andere Städte eingesetzt werden. Die zweite Komponente der Spezifikation ist spezifisch für den Münchner Mietspiegel.
Der erste Prototyp wurde in Zusammenarbeit mit ECRC GmbH entwickelt. Er wird nun ausgewertet und weitere Entwicklungen werden überlegt.
IMS aufrufen: http://www.pst.informatik.uni-muenchen.de/personen/fruehwir/miet-demo.html
Ansprechpartner: Dipl.-Inform. Slim Abdennadher
Die Generierung von Dienstplänen für Krankenstationen ist ein besonders komplexes Problem, das heute noch Gegenstand der Forschung ist. Die Generierung eines Dienstplanes, speziell bei größeren Krankenstationen, ist sehr aufwendig: Üblicherweise benötigt eine Person mindestens einen ganzen Tag zur Planung eines Monates. Der Ansatz "Constraint Reasoning" eignet sich besonders gut zur Spezifikation der Bedingungen, die ein Dienstplan erfüllen muss. Ziel des Projektes ist es, durch die Nachahmung der Dienstplangenerierung von Hand die Komplexität des Problems empirisch einzuschränken. Dabei wird für jede Schwester (oder jeden Pfleger) einer Station sowie für jeden Tag des Planungszeitraums eine Schicht (wie etwa Früh-, Spät- oder Arbeitsfreischicht) zugeteilt, wobei auf eine optimale Lösung verzichtet wird. Vielmehr sollen manche "harte" Bedingungen unbedingt erfüllt werden, und manche "weiche" Bedingungen nur nach Möglichkeit.
Ein erster interaktiver Prototyp, das in IF-Prolog implementierte System INTERDIP, erlaubt es, Teillösungen als endgültig festzulegen, was einerseits die Komplexität einschränkt, andererseits die Akzeptanz durch die Benutzer erhöht. Für 20 Schwestern und 30 Tage z.B. kann INTERDIP einen Dienstplan teilautomatisch und interaktiv innerhalb weniger Minuten - statt von Hand einiger Stunden - erstellen. Die Implementierung beruht auf einem unanpassbaren Constraint-Löser für harte Constraints der Sprache IF-Prolog. Die Behandlung der weichen Constraint beruht auf einem Branch-and-Bound-Verfahren. Mit der Constraint-Sprache CHR können dagegen Constraint-Löser geschrieben werden, die harte und weiche Constraints gemeinsam behandeln. Diese Erfahrung mit INTERDIP ist die Motivation für den Instituts-Stundenplaners . Derzeit wird der Prototyp INTERDIP bewertet.
Der Prototyp INTERDIP wurde in Zusammenarbeit mit einer Abteilung von Siemens AG erstellt.
Ansprechpartner: Dipl.-Inform. Slim Abdennadher
Der Stundenplaner soll für unser Institut, jeweils ausgehend vom Stundenplan des vorhergehenden Semesters, einen neuen für das kommende Semester erstellen. Dabei stellt die Kontinuität in der Stundenplanung eines der Optimalitätskriterien dar. Mit Papier und Bleistift braucht man leicht einen Tag, um einen Stundenplan zu generieren. Der bereits vorhandene erste Prototyp eines automatischen Stundenplaners reduziert die Berechnungszeit auf wenige Minuten. Der in der Constraint-Sprache CHR implementierte Prototyp unterscheidet zwischen "harten" und "weichen" Constraints. Um die weichen Constraints behandeln zu können, wurde ein Constraint-Löser über endlichen Bereichen so modifiziert, dass jeder Wert im Domain einer Variable mit einer Präferenz vermerkt ist. Die Constraint-Sprache CHR erwies sich zur Behandlung der weichen Constraints aus zwei Gründen als besonders geeignet: Zum einen konnte unter dem Einsatz der Constraint-Sprache CHR die Behandlung der harten und weichen Constraints spezifiziert werden. Zum anderen besteht das CHR-Programm aus nur ca. 20 Zeilen Code.
Ansprechpartner: Dipl.-Inform. Slim Abdennadher
Der in der vorangehenden Anwendung untersuchte Ansatz soll erneut, diesmal zur Erstellung des Lehrplanes eines Gymnasium, angewendet werden. Dabei soll der gleiche empirische Ansatz verfolgt werden: Das System soll interaktiv sein und es soll zwischen unbedingt zu erfüllenden "harten" und nach Möglichkeit zu erfüllenden "weichen" Constraints unterschieden werden. Die neue Anwendung unterscheidet sich von den zwei vorangehenden dadurch, dass auf den Lehrplan des vorherigen Zeitraumes nicht zurückgegriffen werden soll. Statt dessen soll für jeden Zeitraum von null an ein neuer Lehrplan erstellt werden.
Das Vorhaben ist eine Zusammenarbeit mit dem Augsburger Maria-Theresia-Gymnasium.
Ansprechpartner: Dipl.-Inform. Slim Abdennadher und Claus Schmalhofer (Maria-Theresia-Gymnasium, Augsburg)
Projekt: Modellgenerierung (1996 -- 1998)
Eine Axiomenmenge heißt erfüllbar im Endlichen, wenn sie ein endliches Modell hat. Wo Modelle von Axiomenmengen nützlich sind - etwa zur Diagnose oder Überprüfung der Korrektheit von Spezifikationen - sind oft endliche Modelle wünschenswert. Ein erstes Ziel des Teilprojektes ist es, ausgehend von der PUHR-Tableau-Methode eine korrekte und vollständige Methode für die Erfüllbarkeit im Endlichen von Axiomenmengen in Sprachen erster Stufe ohne Funktionssymbole zu entwickeln und zu implementieren.
Bislang wurde ein Verfahren spezifiziert, das korrekt und vollständig ist sowohl für die Unerfüllbarkeit - und folglich als Refutationsbeweiser eingesetzt werden kann - als auch für die Erfüllbarkeit im Endlichen. Darüber hinaus wurde das Verfahren in Prolog implementiert.
Die Anwendung der entwickelten und implementierten Methode auf Beispiele ist ein zweites Ziel des Teilprojektes. Dabei sollen vorzugsweise Anwendungen aus den Bereichen Informations- oder Expertensysteme untersucht werden. Im Hinblick auf mögliche Anwendungen etwa im Bereich Diagnose, Datenbanken oder Programm-Verifikation wäre die Erweiterung der Methode und der Implementierung auf Sprachen erster Stufe mit Funktionssysmbolen ein mögliches weiteres Ziel des Teilprojektes.
Ansprechpartnerin: Dr. Sunna Torge
Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze zur automatischen Deduktion in der Modallogik: erstens Tableau-Verfahren, die direkt auf den Formeln der Modallogik operieren; zweitens Verfahren, die auf einer prädikatenlogischen Darstellung operieren, in die die modallogischen Formeln vorher übersetzt werden. Der Ansatz, direkt auf den Formeln der Modallogik zu operieren statt zu übersetzen, bietet Vorteile wie Verständlichkeit des Modellgenerierungsprozesses für Anwender, die Möglichkeit, Kalküle gemäß der Semantik der "möglichen Welten", sogenannte Frame-orientierte Kalküle, zu konstruieren, sowie die mögliche Verarbeitung von Operatoren, die nicht erststufig ausdrückbar sind. Ziel des Teilprojekts ist deshalb die Entwicklung und Untersuchung von Tableau-Verfahren für die Modellgenerierung in der Modallogik.
In einer ersten Phase des Teilprojektes wurde eine Anpassung der PUHR-Tableau-Methode auf die Modallogik entwickelt und diese Anpassung in Prolog implementiert. Dabei stellte die Übertragung des Begriffes "beschränkte Quantifikation" auf die Modallogik ein interessantes, nicht unmittelbar zu lösendes Problem dar. Die übliche Annahme der wachsenden Domäne wurde nicht gemacht, so dass das entwickelte Verfahren eine große Allgemeinheit besitzt. Ein weiteres Ziel des Teilprojekts ist die Untersuchung von Anwendungen der entwickelten Methode, zum einen zur Korrektheitsprüfung von dynamischen Integritätsbedingungen und der Modellierung von Vorgangsabläufen, zum anderen zu einer Lösung des Problems der definiten Referenz (Theoretische Linguistik) sowie zur Berechnung der so genannten statischen Semantik für Logikprogramme mit Negation.
Ansprechpartner: Prof. Dr. François Bry
Minimale Herbrand-Modelle von Klauselmengen sind in vielen Anwendungsbereichen wie etwa automatisches Theorembeweisen, Programmverifikation, Logikprogrammierung und künstliche Intelligenz nützlich. Die Standardverfahren zur Modellgenerierung liefern in der Regel nichtminimale Modelle. Ziel des Teilprojektes ist die effiziente Generierung von minimalen Modellen für Klauselmengen der Logik erster Stufe unter Anwendung von verschiedenen Suchstrategien. In einer ersten Phase des Teilprojektes wurde die PUHR-Tableau-Methode zur Generierung minimaler Modelle angepasst. Implementierungen unter Einsatz verschiedener Suchstrategien sind in Prolog entwickelt und getestet worden, die sich trotz ihrer ziemlich einfachen Einbettung in Prolog als effizient erweisen. Weitere Ansätze werden derzeit überprüft.
Ansprechpartner: Prof. Dr. François Bry und Prof. Dr. Adnan Yahya (Birzeit University, Palästina)
Projekt: Informationssysteme (1994--1998)
Eine Datenbank beschreibt einen Ausschnitt der Welt. Wenn dieser nicht vollständig bekannt oder (noch) nicht vollständig festgelegt ist, dann sollte das Datenbank-Management-System in der Lage sein, "indefinite Daten" zu behandeln.
Ein typisches Einsatzgebiet für solche Datenbanken sind Anwendungen, in denen Informationen im Lauf der Zeit festgelegt werden, man aber schon vor der vollständigen Festlegung mit der Datenbank arbeiten will. Ein Beispiel ist die Erstellung von Fahrplänen: Für die verschiedenen Linien kann etwa zu einem Zeitpunkt bereits die Streckenführung und die Geschwindigkeit der Fahrzeuge festgelegt sein. Später wird die Häufigkeit der Bedienung der Linien festgelegt, und schließlich die genauen Abfahrtszeiten. Mit der Zeit kann die Anfrage "Wenn ich an der Haltestelle A zum Zeitpunkt T bin, bis wann kann ich Haltestelle B erreichen?" immer genauer beantwortet werden. Indefinite Information tritt aber auch in vielen anderen Fällen auf, etwa wenn aus Kostengründen nicht alle Daten vollständig erhoben wurden, oder bei der Vereinigung mehrerer Datenbanken (unternehmensweite Informationssysteme, Data Warehousing).
Die Datenmodelle, auf denen heutige Datenbank-Managementsysteme basieren (relational, objekt-orientiert, deduktiv, etc.), unterstützen indefinite Information allenfalls ansatzweise. Mit einem solchen System müsste ein Anwendungsprogramm oder ein Anwender eine Anfrage wie die obige verschieden formulieren, je nachdem, welche Parameter des Fahrplans bereits wie genau festgelegt sind. Es ist jedoch (im Sinne deklarativer Programmierung) erstrebenswert, dass die Anfrage in allen Fällen gleich formuliert werden kann und das Datenbanksystem selbständig die geeignete Berechnungsmethode findet. Neben dieser "approximativen" Beantwortung von Anfragen, die auch an definite Datenbanken gestellt werden können, müssen verschiedene weitere Operationen unterstützt werden, wie etwa Anfragen und Updates, die sich auf den Grad der Indefinitheit beziehen.
Ziel des Teilprojekts ist die Entwicklung und Untersuchung von Techniken für die Modellierung indefiniter Information. Dabei werden Techniken aus Logik und Logikprogrammierung, aus Algebra und funktionaler Programmierung, sowie aus der Constraint-Programmierung verwendet.
Ansprechpartner: Dr. Heribert Schütz
Die Spezifikationen der meisten Informationssysteme, die heute eingesetzt werden, enthalten sogenannte Integritätsbedingungen, d.h. Bedingungen zum Ausschluss von "inkorrekten" oder "widersprüchlichen" Daten. Die traditionellen Ansätze zur Anfrageauswertung und Integritätsprüfung beruhen auf der Annahme, dass alle Integritätsbedingungen erfüllt sind. Wie sinnvoll diese Annahme auch erscheinen mag, entspricht sie doch selten der Praxis. Vielmehr sind in den meisten praktisch eingesetzten Informationssystemen einige Integritätsbedingungen verletzt.
Die herkömmlichen Formalisierungen der Integrität von und der Anfrageauswertung in Informationssystemen beruhen auf der klassischen Logik, so dass jede beliebige Formel aus einem widerspruchsvollen Informationssystem logisch folgt. In der Praxis aber wird oft eine andere Auslegung der Anfrageauswertung als natürlich betrachtet: Verletzen manche Daten Integritätsbedingungen, so hat dies keinen Einfluss auf Anfragen, die ohne Bezug zu diesen Daten sind. Anstatt des "globalen" Widerspruchsbegriffes der klassischen Logik wäre also für Informationssysteme mit Integritätsbedingungen ein "lokaler" Widerspruchsbegriff angebracht.
Ziel des Teilprojektes ist es, einerseits den Begriff von "lokalen Widersprüchen" zu formalisieren, andererseits eine Anfrageauswertungsmethode entsprechend der vorgeschlagenen Formalisierung zu entwickeln. Im Falle von Informationssystemen, die alle ihre Integritätsbedingungen erfüllen, sollen Formalisierung und Anfrageauswertungsmethode mit den herkömmlichen Ansätzen übereinstimmen.
Ansprechpartner: Prof. Dr. François Bry (1994 -- 1996)
In diesem Teilprojekt werden Deduktionsmethoden eingesetzt zur Spezifikation und Auswertung von elektronischen Formularen. Ein elektronisches Formular wird als "reaktives Dokument" angesehen, wenn sich seine Darstellung am Bildschirm den eingetragenen Daten anpasst. So werden z. B. Folgefragen nur dann sichtbar, wenn sie relevant sind. Darüber hinaus sollen symbolische Bedingungen und Ergänzungsregeln deklarativ spezifizierbar sein und automatisch überprüft werden, wie numerische Beziehungen bei Tabellenkalkulations-Software.
Die reaktiven Dokumente werden in der Sprache Java-Script entwickelt, um den Einsatz des Forschungsprototyps als Intranet-Anwendung zu Testzwecken zu erleichtern.
Ansprechpartner: Prof. Dr. François Bry
Der Einsatz von deklarativen Modellierungsformalismen und von deduktiven Berechnungsmethoden wird am Beispiel der Vorgänge zur Verwaltung von Ordnungswidrigkeiten im Staßenverkehr untersucht. Da sich der Ablauf von Behörde zu Behörde sogar im selben Bundesland unterscheidet und sich dieser Ablauf auch zeitlich oft ändert, wird die Ablauflogik in Form von Regeln spezifiziert, die zur Laufzeit innerhalb eines regelbasierten Systems interpretiert werden. Durch eine regelbasierte Modellierung werden Anpassung und Wartung erleichtert.
Die Anwendung wird in Zusammenarbeit mit SOFTCON IT-Service GmbH untersucht.
Ansprechpartner: Prof. Dr. François Bry und Michel Dorochevsky (SOFTCON IT-Service GmbH)
Im Bereich deklarativer Programmierung haben sich zwei komplementäre Paradigmen etabliert: Die Logikprogrammierung mit ihrem Hauptvertreter Prolog, und die funktionale Programmierung mit Sprachen wie etwa ML und Haskell. Trotz ähnlicher Zielsetzung und teilweise gleichen Methoden bleibt der Austausch zwischen beiden Programmierparadigmen spärlich. Einige Programmiersprachen jedoch verbinden die beiden Programmierparadigmen, unter anderem die Sprache Curry. Curry wird international aktiv weiterentwickelt und bietet eine standardisierte Plattform für Forschung, Lehre und Anwendung funktional-logischer Sprachen.
Im Projekt werden die folgenden Aspekte untersucht:
Wie kann, ausgehend von einem Interpreter für Curry, systematisch eine abstrakte Maschine und eine Übersetzung in die Befehle dieser Maschine konstruiert werden? Elementare, aber erfolgversprechende Ansätze, die auf Metainterpretation und partieller Auswertung beruhen, wurden vor einigen Jahren für Prolog vorgeschlagen. Ein erstes Ziel des Projektes ist es, ihre praktische Anwendbarkeit für Curry zu untersuchen.
Ferner wird im Projekt die Einbettung von Constraint-Verfahren in Curry untersucht. Dabei erscheinen die folgenden Themen besonders interessant: Die Implementierung von Constraint-Verfahren mit einer abstrakten Maschine; die Einbettung der Constraint-Sprache CHR (siehe die Projektbeschreibung "Constraint-Programmierung") in Curry; die implizite Nebenläufigkeit bei Constraint-Verfahren.
Ansprechpartner: Dipl.-Inform. Sven Panne
Inferenzmotoren für wissensbasierte Systeme sind im wesentlichen Implementierungen von logischen Kalkülen. Diese dienen dazu, aus einer als Spezifikation dienenden Formelmenge der zugrundeliegenden Logik weitere Formeln abzuleiten, die in bestimmten semantischen Beziehungen zur Spezifikation stehen. Für viele Zwecke ist es wünschenswert, die Ableitungen mit geeigneten graphischen Werkzeugen übersichtlich darstellen und analysieren zu können: Als Hilfe bei der Suche nach Fehlern in der Spezifikation oder im Ableitungsverfahren, zum Vergleich verschiedener Inferenzmotoren, zur Erklärung der Ableitungen oder zum Einsatz in der Lehre.
Ziel des Projekts ist die Entwicklung und Untersuchung von Hilfsmitteln für derartige Zwecke. Einfache Trace-Komponenten reichen dafür nicht aus. Damit kann zwar eine Flut von Informationen über die einzelnen Ableitungsschritte erzeugt werden, die aber zu zahlreich und zu "feinkörnig" und ohne geeignete Abstraktionsmöglichkeiten praktisch nutzlos sind.
Deshalb wurde in einer ersten Phase des Projektes das System SNARKS für PUHR-Tableaux entwickelt (siehe die Beschreibung des Projektes "Modellgenerierung"). SNARKS bietet eine reichhaltige Funktionalität für die interaktive Erzeugung, Darstellung, Reorganisation, Modifikation und Analyse von Ableitungen dieses Verfahrens. Dazu gehören auch Möglichkeiten, die topologische Struktur der Darstellung an beliebigen Stellen zu kompaktifizieren, um gegenwärtig nicht interessierende Details vorübergehend auszublenden.
Aufbauend auf den bisherigen Erfahrungen soll nun untersucht werden, inwieweit sich SNARKS zu einem generischen System verallgemeinern lässt, das diese Funktionalität für verschiedene, im Idealfall frei definierbare, logische Kalküle zur Verfügung stellt. Darüber hinaus werden derzeit einige in Prolog implementierte Komponenten auf Java umgestellt, um die Verfügbarkeit des Systems im World-Wide-Web zu verbessern.
SNARKS aufrufen: http://www.pms.informatik.uni-muenchen.de/~snarks/
Ansprechpartner: Dr. Norbert Eisinger
Die Lehr- und Forschungseinheit "Programmier- und Modellierungssprachen" unterstützt andere Fakultäten der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) durch Informatik-Dienstleistungen. Derzeit geschieht dies in folgenden Forschungsprojekten:
Die Leistungsfähigkeit und Effektivität von Gruppen hängt entscheidend von den sozialen Interaktionsprozessen zwischen den Gruppenmitgliedern ab. Eine wichtige Frage bei solchen Interaktionsprozessen ist, unter welchen Bedingungen die individuelle Leistungsfähigkeit von Gruppenmitgliedern steigt und unter welchen Bedingungen sie optimal in Gruppenleistungen integriert wird. Im DFG-Projekt Effektivität und Leistung durch soziales Lernen (ELSOL) der Forschungsgruppe Empirische und Angewandte Sozialpsychologie am Institut für Psychologie (Fakultät für Psychologie und Pädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität München) werden derartige Fragestellungen untersucht. Der methodische Ansatz basiert auf Versuchsserien mit Kleingruppen, in denen die Gruppenmitglieder individuell oder als Gruppe sogenannte Regelinduktionsaufgaben lösen. Die Versuchsserien könnten in mehreren Feldern durch geeignete Rechnerunterstützung verbessert werden, zum Beispiel bei der Unterstützung des Experimentalablaufs, bei der Automatisierung der Auswertung, bei Modellentwicklung und Simulation. Eine interessante Herausforderung besteht darin, die Software so zu gestalten, dass sie nicht auf diese speziellen Versuchsserien beschränkt ist, sondern leicht an ähnliche psychologische Experimente angepasst werden kann. Eine erste Untersuchung soll feststellen, wie der Experimentalablauf mit einer geeigneten Software unterstützt werden kann.
Ansprechpartner: Dr. Felix Brodbeck und Tobias Greitemeyer (Fakultät für Psychologie und Pädagogik), Prof. Dr. François Bry und Dr. Norbert Eisinger
Um die linguistische Forschung zu erleichtern, ist es wünschenswert, vorhandenes Wissen über möglichst viele Eigenschaften möglichst vieler Sprachen in einer Datenbank zu verwalten. Im Projekt Allgemein-Vergleichende Grammatik München am Institut für Deutsche Philologie (Philosophische Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaft II) wird dazu ein datenbankbasiertes Referenzgrammatiksystem entwickelt Ein zentrales Problem ist hierbei, dass Sprachbeschreibungen (Grammatiken) wenig formalisiert und uneinheitlich strukturiert vorliegen. Eine einheitliche Struktur der Grammatiken ist jedoch nötig, damit einander entsprechende Eigenschaften verschiedener Sprachen leicht gefunden und verglichen werden können. Während eine solche generische Grammatik-Struktur von Linguisten entwickelt werden muss, tragen Informatiker Methoden und Werkzeuge für die Strukturierung bei. Ein erstes prototypisches System, Categories, wurde bereits entwickelt.
Anweisungen zum Aufruf von Categories: http://www.pms.informatik.uni-muenchen.de/publikationen/fopras/Matthias.Nickles/cats_doc.html
Ansprechpartner: Prof. Dr. Dietmar Zaefferer (Philosophische Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaft II), Dr. Heribert Schütz
In vielen empirischen Studien wird eine große Anzahl verschiedener Variablen an den jeweiligen Untersuchungseinheiten erhoben. Diese stehen natürlich untereinander in Zusammenhang. Die Modellierung einer solchen komplexen Assoziationsstruktur ist nicht mehr mit einfachen statistischen Regressionsmodellen möglich, da diese nur die Beobachtung von Zielgrößen und direkten Einflussgrößen erlauben.
Hier setzen graphische Kettenmodelle ein, welche eine spezielle Art statistischer Modelle sind, bei denen zusätzlich eine graphische Darstellung zur besseren Veranschaulichung beiträgt. Diese bieten in zweifacher Hinsicht eine Verallgemeinerung der Regressionsmodelle: Erstens sind nun auch indirekte Einflüsse mit Hilfe von sogenannten intermediaten Variablen modellierbar. Diese sind Zielgrößen für einen Teil der betrachteten Variablen und Einflussgrößen für einen anderen Teil. Eine Interpretation dieser indirekten Einflüsse erfolgt über das Konzept der bedingten oder der marginalen Unabhängigkeiten. Zweitens können sogenannte gemischte, d.h. gleichzeitig stetige und diskrete Variablenmengen als jeweilige Zielgröße in das Modell aufgenommen werden.
Problematisch ist derzeit jedoch, dass kaum Möglichkeiten zu einer praktikablen und anwenderfreundlichen Auswertung bestehen. Diesem Dilemma zwischen praktischer Bedeutung und praktischer Nutzung soll mit der Entwicklung einer geeigneten Software begegnet werden.
Ansprechpartner: Prof. Dr. Iris Pigeot ( Institut für Statistik der Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Statistik), Prof. Dr. François Bry
Lehr- und Forschungseinheit
Institut
Universität