Die Schwierigkeit interdisziplinärer Forschung

Andreas Paepcke hat eine Reflexion über die Schwierigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Informatikern und anderen Wissenschaftlern unter dem Titel An Often Ignored Collaboration Pitfall: Time Phase Agenda Mismatch in den Stanford Lab Blog veröffentlicht.

Ein erstes Problem einer solchen Zusammenarbeit liegt darin, dass die Nichtinformatiker in der Regel Werkzeuge für ihre Forschung benötigen. Diese Werkzeuge entsprechen selten dem Stand der Forschung, was ihre Entwicklung für Informatikforscher unattraktiv macht. Das kann man, meine ich, als Informatiker dadurch überwinden, dass man auf neuere Ansätze hinweist, die für die eigene Forschung interessant sind.

Ein weiteres Problem liegt darin, dass die Nichtinformatiker gut funktionierende Werkzeuge benötigen. Forschungprototypen reichen nicht aus. Wie sollen Informatikforscher produktähnliche Software entwickeln und dazu warten? Aus meiner Sicht ist dies nur dann möglich, wenn ein geeignetes Personal vorhanden ist. “Forschungingenieure” kann man ein solches Personal nennen, also hochqualifizierte Softwareentwickler, die Forschungsarbeiten verstehen und daher umsetzen können, die selbst aber nicht als Forscher tätig sind.

Das weltberühmte Forschungszentrum INRIA hat Forschungingenieure. Ich wünsche mir, dass auch an deutsche Universität die Informatik mit solchen Stellen ausgestattet wird. Dies ist dringend nötig für die interdisziplinäre Forschung des 21. Jahrhunderts.

Gibt es in der öffentlichen Forschunglandschaft von Deutschland solche Stellen?

FB

Eine Antwort zu “Die Schwierigkeit interdisziplinärer Forschung”

  1. Oscar Knapp sagt:

    Die Idee hört sich interessant und unterstützendswert an. Leider fehlt aber schlicht und ergreifend oft schon die Grundlage der interdisziplinären Forschung: die Kommunikation.

    Meine Beobachtung aus einer Berufungskommission: Dem Vortragenden wurden Fragen zu einem Sachgebiet gestellt, die ohne Zweifel von Interesse für die eigene Forschung des Fragestellers waren. Im selben Institut gibt es jedoch auch einen Lehrstuhl, der sich mit diesem Themengebiet schon einige Jahre beschäftigt – das Thema war auch schon Bestandteil von Vorlesungen. Das erweckt den Eindruck als würde es kaum Austausch zwischen den Personen an ein und demselben Institut geben. Ähnliche Beobachtungen habe ich auch schon in anderen Instituten dieser Universität gemacht. Manchmal hat sich mir sogar das Gefühl aufgedrängt, dass es mehr Grabenkämpfe als Kooperationen gibt.

    Bevor man über die Investition in weitere Mitarbeiter spricht, sollte man in meinen Augen den Gedankenaustausch zwischen Mitarbeitern fördern – nicht nur auf formeller Ebene (über Arbeitskreise und dergleichen) sondern auch auf informeller Ebene.

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