Ein Kollege hat im letzten Semester die folgenden Statistiken über die Klausurergebnisse und über die zu Hause ausgearbeitete Übungsaufgaben für eine Vorlesung im zweiten Semester des Bachelor-Studiengangs Informatik erhoben:
- Die Studenten, die die Klausur bestanden haben, haben im Durchschnitt 10 der wöchentlichen Übungsaufgaben selbst, vor der Übungsstunde ausgearbeitet.
- Die Studenten, die die Klausur nicht bestanden haben, nur im Durchsschnitt 1,5.
Mir erscheint die Zahl 10 niedrig. Es gibt ja insgesamt 14 bis 16 wöchentlichen Übungsaufgaben.
Vielleicht weil jemand, der die Übungsaufgaben freiwillig macht, sich eh überdurchschnittlich für das Thema interessiert und entsprechend tief(er) damit beschäftigt?
Nur so eine spontane Idee
Sicherlich!
Wie können wir, Dozenten, erreichen, dass alle oder zumindest fasrt alle Studenten ich für die Vorlesungsthemen so interessieren, dass sie sich damit freiwillig beschäftigen?
Ich versuche u.a. durch interessante Vorlesungen und dadurch, dass ich ansprechbar bin, dies zu erreichen.
Die Frage stellt sich wohl jeder Dozent
2 Mögliche Antworten: den Stoff und Vorlesung so aktuell, interessant und realitätsbezogen halten wie möglich, oder alle die Studenten rausfiltern, die die Vorlesung nur des Scheines wegen machen (bei letzterer Methode wäre auch mein Studium wohl deutlich schwieriger gewesen).
Eine Frage, die ich mir im Studium OFT gestellt habe, war “Kann ich das später auch mal IRGENDWIE anwenden?” Sobald ich eine positive Frage darauf gefunden hatte, viel es mir auch deutlich leichter, mich für das entsprechende Thema zu begesitern – andernfalls war es das typische “4 gewinnt” der Diplomstudenten.
“Kann ich es irgandwann anwenden?”
Das ist eine berechtigte Frage und in jedem Fach sollten, meine ich, die Dozenten Antworte dazu geben.
Es gibt aber – insbesondere in der Mathematik – nicht wenige Fälle, wo eine Forschung ohne jeglichen Anwendungsbezug später in der Zukunft für Anwendungen wichtig wird. Ein Beispiel davon ist der Satz von Perron und Frobenius, der die Grundlage des PageRank-Algorithmus ist (siehe z.B. meine Vorlesug Web-Informnationssysteme
). Besonders lustig ist, finde ich, dass die beiden berliner Mathematiker Vertreter der “reinen Mathematik” waren, also einer Mathematik-Forschung und -Lehre, die entschieden keine Zeit mit Anwendungen verliert.
Klar: “Es gibt” Beispiele/Themen, die rein akademisch sind, bis sie eine Anwendung finden – “für alle” gilt das in unserem Informatikstudiengang zum Glück nicht.
Ich habe/hatte im Studium das Gefühl, dass dieses “es gibt” Argument zu oft als Ultimativwaffe gegen die Forederung nach praxisbezogenen Motivationen verwendet wird, was ich extrem schade fand.
Aber unterm Strich scheinen wir uns ja einig zu sein.
Ja, wir sind einig. Ich meine sogar, dass die Inforamtik-Studiengänge bei uns in Europa viel zu wenig angewandt sind.
[...] Einen anderen Eindruck vermittelt die Statistik eines münchener Informatikers, die ich im Erlebt-Blog gefunden [...]
Da manche “Genies” die Statistik verzerren, sollte jeder “normale” Student mehr als 10 us 12 oder 15 Übungsaufgaben oder Übungsblätter pro Semester ausarbeiten.