Die Motivation der Mitarbeiter entscheidet über den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens – das ist bekannt. Wie Mitarbeiter zu hervorragenden Leitungen motiviert werden, ist viel weniger bekannt – Ansätze, die im Wissenszeitalter untauglich sind, werden leider überall eingesetzt. Darüber sprach Daniel Pink im August letzten Jahres bei der TED-Konferenz:
Post Scriptum: Für den Hinweis uf diesen Vortrag bedanke ich mich bei Florian R. In einem Kommentar zum Artikel “Rahmenbedingungen der Forschung” hat er mich darauf aufmerksam gemacht.
Was die besten Rahmenbedingungen der wissenschaftlichen Forschung sind, ist eine der heißesten und immer noch offenen Frage überhaupt der Wissenschaftspolitik. Zwei Meinungen dazu werden vertreten:
Klare Arbeitspläne, eine erfolgsbedingte Personaleinstellung und eine erfoglsbedingte Mittelverteilung sind unerlässliche Bedingungen erfolgreicher Forschung
Nach erfolgsbedingten Personaleinstellungen am Karriereanfang werden mehr Forschungserfolge erzielt, wenn die Wissenschaftler weitgehend frei von Zielvereinbarungen forschen können.
Wirtschaftswissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und weiteren Forschungseinrichtungen der USA haben die Leistungen von Wissenschaftlern verglichen, die auf dem selben Gebiet (der Lebenswissenschaften) forschen, sich in vergleichbaren Karrierephasen befinden und ähnlich kompetent sind. Und siehe, der zweite der oben erwähnten Ansätze zeigte sich als der erfolgsreichste.Der Artikel “Incentives and Creativity: Evidence from the Academic Life Sciences” wurde am 7. Dezember 2009 von Pierre Azoulay, Joshua S. Graff Zivin und Gustavo Manso im Web veröffentlicht.
Die Arbeit ist auch wegen seiner Methodik interessant: Wie stellt man die Vergleichbarkeit der beiden Gruppen von Wissenschaftlern sicher?
Die Arbeit wird sicherlich noch für viel Diskussion sorgen: die herrschenden Meinung – unter anderem unter Wissenschaftspolitikern – ist nämlich, dass der erster der oben genannten Ansätze, der direktiver, derjenige sei, der am erfolgversprechendste sei.
Infochimps ist ein Datenmarkt und -bibliothek in einem, ein Web-Site, wo man Daten über alles mögliche zum Kauf oder zur kostenlose Verwendung anbieten kann, wo man auch nach Daten nachfragen kann.
Die angebotene Daten sind in circa 12 Kategorien – wie Medizin, Wirtschaft und Sprot -– sortiert, die wiederum Unterkategorien haben. Zusätzlich zu den Kategorien ermöglichen Tags eine feinere Bezeichnung der Daten.
Das Web-Site verdient am Kauf von Daten über eine Kommission von in der Regel 50%.
Für einen Wissenschaftler wie für jeden auch spielt Geld ein wichtige Rolle: Forschung kostet sehr viel: Die Anstellung eines jungen Wissenschaftler ungefähr 65.000 € pro Jahr. Hinzu kommen die Kosten für einen Arbeitplatz (Raum und Technik). Ein kleines Forschungsprojekt in der Informatik kostet schnell beinahe eine halbe Million Euro, ein größeres Projekt, über eine Million Euro.
Die Europäische Kommission mit ihren so-genannten Rahmenprogrammen – dertzeit läuft der 7. – ist ein der Forschungförderer. Der Bereich ICT (für “Information und Communication Technologies“) der Europäischen Kommission wird aus Luxemburg geleitet. So fahren Informatik-Forscher immer wieder nach Luxemburg, um Forschunggelder zu beantragen, das heißt, um Geld zu holen.
Einmal wurde ich gefragt, was mich denn nach Luxemburg geführt hatte. Meine Antwort “Geld holen” machte mein Gesprächpartner misstrauisch. Ich musste klarstellen, dass ich nicht im Besitz eines illegalen Konto bei einer luxemburgischen Bank war!
Seit einigen Jahren erobern Spiele die Realität, das heißt die physische Umgebung der Spieler. Man spricht von geolokalisierten Spielen. Im Folgenden Video aus dem Jahr 2005 berichtet die Künstlergruppe Blast Theory über ein solches Spiel “can you see mee now“, eine Art urbane und soziale Schatzsuche unter Verwendung von Handys und GPS:
Solchen Spiele erobern auch unsere soziale Umgebung erobert. Sind solche Spiele die Vorläufer neuer formen sozialer Interaktion?
Wissenschaftler müssen besonders anpassungsfähig sein, weil sie an der Vangarde der Forschung bleiben sollten. An meiner Universität müssen sie zudem sehr anpassungsfähig sein, was ihre Arbeitsbedingungen angeht.
Am Anfang der Woche mussten einige Mitglieder meiner Arbeitsgruppe ihre Arbeit zu Hause fortsetzen, weil große Löcher durch die Wände ihrer Arbeitszimmer an der Universität gebocht wurden. Seit gestern funktioniert die Telefonanlage nur noch teilweise.Ich frage mich, was noch auf uns zukommt.Vermutlich werden wir bald mit Hochdruck arbeiten müssen: Mit dem Hochdruck eines nahe stehenden Presslufthammers.
Eine Ankündigung der Umbauarbeiten in unswren Arbeitszimmern und der daraus zu erwartenden Störungen hat es nicht gegeben.
In zwei Wochen endet die Vorlesungszeit, so dass wir uns in einer besonders arbeitsintensive Phase befinden. Die Störungen sind folglich besonders belastend. Unsere Sekretärin hat versucht zu erfahren, was die Umbaupläne in unserem Gebäude sind und vor allem wann mit Lärm oder mit sonstigen Störungen zu rechnen ist. Es ist leider unmöglich, irgendeine für uns brauchbare Auskunft zu erhalten.
Sehr gerne passen wir schwierigen Arbeitsbedingungen an – auch solchen, die uns grenzwertig erscheinen. Die Hoffnung auf eine rücksichtsvolle Behandlung haben wir noch nicht aufgegeben.
Kaggle ist eine Wb-Site für Wettbewerbe in Bereichen wie Wirtschaft, Statistik oder maschinelles Lernen. Ziel von Kaggle ist es, Daten anzubieten, womit daten-intensive Verfahren erprobt und verglichen werden können. Kaggle unterstützt also der sich verbreitender Ansatz, analytische Überlegungen immer mehr mit praktischer Erprobungen zu ergänzen.
Die Nutzung von digitalen sozialen Netzwerken und von sonstigen sozialen Medien kann in die Abhängigkeit führen, die Unterbrechung ihrer Verwendung zu Entzugserscheinungen. Dies ist ein ernstzunehmendes Problem, welche bisher zu wenig untersucht wurde. So erfährt man es immer häufiger.
Ich stelle fest, selbst ganz abhängig von sozialen Medien zu sein. Ich leide unter großen Entzugserscheinungen, wenn sie mir zu lange fehlen.
Habe ich zum Beispiel kein Geld bei mir – insbesondere, wenn ich auf Reise bin –, so fühle ich mich unsicher. Habe ich tagelang keine Möglichkeit meine Verwandten und engen Freunde anzurufen, dann fehlt mir etwas. Soziale Rituale wie gemeinsame Essen mit Bekannten oder Verwandten, fehlen mir auch, wenn sie zu lange ausstehen.
Zwanzig Wissenschaftler treffen sich, um Forschungsperspektive im Bereich der sozialen Medien zu besprechen. Da ein gemeinsamer Bericht erzielt wird und die Zusammenarbeit nach dem Treffen fortgesetzt werden soll, fragen sie sich zuerst, welche Werkzeuge sie verwenden werden. Sie einigen sich über ein Wiki, der sofort errichtet wird.
Nach ein paar Tagen schlägt einer vor, für die Fortsetzung der gemeinsamen Arbeit nach dem Treffen an Stelle des Wikis Google docs zu verwenden. Als Begründung sagt er: “Mit Google docs kann man gleichzeitig schreiben, ohne Konflikte verwalten zu müssen.” Er richtet sofort ein Dokument unter Google ein und verschickt Einladungen.
Dann werden die verschiedenen Teile des gemeinsamen Dokuments auf die Teilnehmer verteilt, damit jeder zuerst allein an seinem Teil arbeiten kann. Ein Termin für die gemeinsame Besprechung der von Einzelnen verfassten Teile wird festgelegt.
Der Verfechter von Google docs leitet übrigens ein Forschungsprojekt über … ein Wiki!
Von großer Wichtigkeit für Gesellschaft, Wirtschaft und Technik ist die Frage, wie sich die digitalen sozialen Medien sich entwickeln werden. Es wird viel darüber nachgedacht und geschrieben, wie sich die digitale Medien entwickeln werden. Aus meiner Sicht ist es nicht weniger interessant über die Zukunft der nicht-digitalen Medien nachzudenken.
Die nicht-digitalen sozialen Medien werden zweifelsohne überleben. Sie werden nach wie vor allgegenwärtig sein, jedoch weniger, viel weniger benutzt werden. Nicht-digitales Geld wird es noch lange geben, wenn auch in Zukunft wie schon jetzt der Geldverkehr vor allem digital sein wird. In Steinen gemeißelte Texte werden von unseren Städten sicherlich nicht verschwinden: Sie geben Orientierung und gestalten unseren Lebensraum mit. Papierene Bücher werden lange auf unsere Bücherregale zu finden sein – sei es nur als Statussymbole. Für die Arbeit werden sie aber immer weniger verwendet werden, weil man nur ein paar in eine Tasche mitnehmen kann, dafür aber ein paar Tausend auf einem Laptop, weil die String-Suche bequemer ist als die Suche in einem papierenen Buch und insbesondere für eine alternde Gesellschaft die Textvergrößerung unverzichtbar sein wird. Papier-Visitenkarten werden noch lange ausgetauscht und gesammelt werden: sie sind nützlich, um den Namen ohne Schreibfehler in Google einzugeben. Vor allem werden sie immer schicker, da sie immer weniger verwendet werden.
Die neuen Medien stellen eine der größten Herausforderungen unserer Zeit dar – insbesondere was die Gesetzgebung angeht.. Zum Glück sind Politiker im Bilde:
In der guten alten Zeit haben Regierungen ausgewählte Experten zu Expertenrunden eingeladen, wenn ein schwieriges Problem zu lösen war. Eine Schwäche des Ansatzes ist, dass Experten dazu neigen, unter ihresgleichen zu wirken und folglich nur das wahrzunehmen, was sie für wichtig halten.
Heutzutage sind wir alle die Experte! Wir alle werden zum Beispiel zur Eindämmung der heutigen Sicherheitrisiken (wie der Afghanistan- und Irak-Kriege) um Beiträge gebeten.Den Ansatz nennt man “wisdom of the crowd” oder “Weisheit der Vielen” nach einem Buch aus dem Jahr 2004 von James Surowiecki.
In so genannten “Jam Sessions” Beiträge der “Crowd” über Sicherheitsfragen werden von der Europäischen Kommission und von der NATO gesammelt, die den Ansatz wie folgt darstellen:
“The Jam Session is to be open to defence and security specialists and non-specialists alike with the aim of widening the security debate beyond purely military matters.“
Ein Informatik-Professor an einer deutschen Universität hat mir gerade Interessantes über die Antwortquoten von Lehrevaluationen im Informatik-Studiengang seiner Universität erzählt:
Werden Papierformulare verteilt, dann beteiligt sich ca. 80% der Studenten an die Umfrage.
Wird aber ein Link auf Web-Formulare an die Email-Adressen der Studenten verschickt, dann beteiligen sich nur ca. 40% der Studenten an die Umfrage.
Wer hätte so etwas von Informatik-Studenten gedacht? Nicht ich!
Während eines so genannten “Perspective Workshop” über Digitale Soziale Netzwerke im Schloss Dagstuhl sind Kollegen und ich zu dem Schluss gekommen, dass eine neue Art von Algorithmen sich verbreiten dürfte, die wir “sozial-informierte Algorithmen” genannt und wie folgt charakterisiert haben:
“A few algorithms have been used in the past and much more have been developed and deployed recently with considerable success that combine data produced by, or gained from the activity of, a community, possibly partly processed by community members in a collaborative manner and further processed by algorithmic means. PageRank (which uses Hypertext links as information traces left by users for computing the relevance or importance of a Web page), Captcha and the ESP game with a purpose (that exploit human activities during games for problem solving) is the celebrated example of an approach called “human computation”. We recognized the systematic development of algorithms combining data and processing inputs from both, individuals and collaboratively acting communities as a promising direction of research.“
Der Ansatz ist sicherlich zukunftsweisend: So kann man auch in demokratischen Länder Unterstützung leichter erlangen, als wenn Menschen zum selben Zeitpunkt am selben Ort sein müssen. Die virtuelle Demonstration kann zum Beispiel als Vorstufe einer realen Demonstration dienen.